Bandscheibenleiden
Die Bandscheiben sind Teil des Zwischenwirbel-Gelenkapparates und haben neben einer Pufferfunktion auch die Aufgabe, das Gewicht, das auf ihnen liegt optimal zu verteilen. Sie bestehen aus einem galertartigen runden Kern umgeben von ringförmig angeordneten Fasern. Ihre Nahrung bezieht die Bandscheibe aus der Flüssigkeit um sie herum. Für die Gesundheit der Bandscheibe ist es wichtig, daß sie, zusätzlich zu biochemischen Prozessen auch diese „Schwamm“-Funktion haben kann, um sich zu ernähren. Wenn das Gelenkspiel der Wirbel gestört ist, findet hier oft eine verminderte Bewegung statt, die meist auch asymmetrisch ist. Der negative Effekt ist doppelt: erstens führt die Austrocknung der Bandscheibe zu Brüchigkeit der fasrigen Ringe, zweitens führt die asymmetrische Belastung zu einer Verschiebung des galertartigen Kerns (der von den brüchigen Ringen auch nicht mehr richtig gehalten werden kann) in Richtung Außenkante der Bandscheibe. Man kann in diesem Stadium eine Vorwölbung von Kernmaterial beobachten, welches die zwischen den Wirbeln austretenden Nervenwurzeln reizen kann. Die Folge, je nach Ort der Vorwölbung/des Vorfalls reichen von Ischiasschmerzen über Taubheit und/oder Kribbeln der Finger oder Zehen zu Muskelschwäche in den Armen und Beinen bis hin zu Inkontinenz (Urin/Stuhl).
Die Aufgabe des Chiropraktors in diesem Zusammenhang besteht darin, zunächst den Druck bzw. den Reiz von der Nervenwurzel zu nehmen und dann ein normales Gelenkspiel wiederherzustellen, das eine gleichmäßige Belastung der Bandscheibe ermöglicht und so viel Beweglichkeit erlaubt, daß die Flüssigkeitsaufnahme stattfinden kann.
TOPFunktionelle Organ-Störungen
Das Nervensystem besteht aus zwei Teilen:
- Das Zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark)
- Das Periphäre Nervensystem (alle Nerven, die aus dem Rückenmark und dessen Verlängerung im Schädel austreten und sich im Körper verteilen).
Das Periphäre Nervensystem (PNS) lässt sich wiederum in zwei Unterabschnitte gliedern:
- Das „Spinale Nervensystem“, das sich willkürlich beeinflussen lässt und zu dem Aufgaben wie Muskelbewegung gehören.
- Das „Autonome oder Vegetative Nervensystem“ („ANS“), das unwillkürlich solche Körperfunktionen steuert wie Herzschlag, Atmung und Verdauung.
Die Schnittstelle zwischen Rückenmark und „PNS“ ist die Wirbelsäule.
Alles was an diesem Ort mit den Nervenwurzeln geschieht, hat einen Einfluss auf die korrekte Übertragung der Nervenimpulse. Diese Impulse gehen sowohl vom Rückenmark in die Richtung der Endorgane (z.B. Arm-/Beinmuskulatur, Darm, muskuläre Ummantelung bestimmter Blutgefäße) als auch von diesen Organen zurück zum Rückenmark, um in diesem Fall Meldungen aus dem Körper an das „ZNS“ zu senden (z.B. Kältegefühl auf der Haut, Spannungszustand eines Muskels, Erregungszustand des Herzens).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie die Nervenwurzeln, die solche Impulse übertragen, an ihrem Austrittspunkt zwischen den einzelnen Wirbeln gestört werden können.Für uns am wichtigsten sind mechanischer Druck und biochemische Reizung („Toxizität“). Durch Fehlfunktion der Wirbelsäule können beide Arten der Störung auftreten, wodurch die Kraft („Amplitude“) und Geschwindigkeit („Frequenz“) der Nervenimpulse, die ja einen elektrischen Charakter haben, vermindert werden. Dies führt zu Fehlfunktionen der Endorgane und darüber hinaus auch zu Entzündung und später Degeneration der Nervenwurzeln.
Durch das Studium der Anatomie ist man in der Lage Karten zu zeichnen, die den Ursprung und Verlauf der einzelnen Nervenbahnen deutlich machen. Daraus ergibt sich eine Zuordnung von bestimmten Bereichen der Wirbelsäule mit bestimmten Organen. Diese Zuordnung ist für den Chiropraktor von besonderem Interesse, da mehr und mehr Patienten über eine reine Behandlung ihres Bewegungsapparates hinaus vom Chiropraktor eine weiterreichende Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwarten. So könnte man in diesem Zusammenhang einen unserer Patienten erwähnen, der nur in unsere Praxis kommt, weil er durch eine lange zurückliegende Schädigung der Wirbelsäule Probleme mit Sodbrennen hat und nach gezielter chiropraktischer Justierung im Bereich der mittleren Brustwirbelsäule keine Medikamente mehr zu nehmen braucht.
Für den verantwortungsvollen Chiropraktor ist es wichtig jeweils herauszufinden, ob es sich bei einer Organstörung um ein Leiden handelt, das in seinen Bereich fällt, d.h. eine Behinderung der Nervenreizleitung durch Fehlstellung/Fehlverhalten der Wirbelsäule („vertebrale Subluxation“) oder um ein primär organisches Leiden, das eine andere Behandlung benötigt, in welchem Fall eine fachärztliche Überweisung veranlasst wird.
Bemerkenswert ist außerdem, dass eine unbehandelte funktionelle Organstörung (meist umkehrbar, „reversibel“), etwa ausgelöst durch die oben beschriebene vertebrale Subluxation, im Laufe der Zeit zu einer nicht umkehrbaren („irreversiblen“) pathologisch degenerativen Organstörung führen kann. Jedes Organ braucht im besonderen Maße eine gute Blutversorgung, eine gute Schadstoffentsorgung und eine gute Nervenreizversorgung.
TOPGesundheitsverbesserung
Wenn man die Verbesserung der Gesundheit bedenkt ist es nützlich, sich darüber Gedanken zu machen, was Gesundheit eigentlich für uns bedeutet. Für viele ist Gesundheit nicht mehr als die Abwesenheit von Symptomen. Für andere ist es ein idealisierter Zustand, der in Richtung Perfektion tendiert und dadurch von den meisten unter uns gar nicht erreicht werden kann. Um der Individualität eines jeden gerecht zu werden sollte der Bergriff so definiert sein, dass er die Unterschiede im Körperbau, in den Vorbelastungen, in den durchgemachten Krankheiten, in der genetischen Disposition etc... berücksichtigt, damit das Streben nach Gesundheit eine sinnvolle und lohnenswerte Möglichkeit für jeden darstellen kann.
In der chiropraktischen Philosophie versteht man unter Gesundheit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Es ist der Zustand optimalen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlseins mit gleichzeitiger dynamischer Anpassungsfähigkeit.
Dies bedeutet, unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Gesundheitspotentials eines jeden, dass man als Gesunder in der Lage ist, auf äußere widrige Umstände und Einwirkungen flexibel reagieren zu können und nicht durch solche Einflüsse unbedingt Schaden nimmt.
Als Bild könnten wir einen gesunden Baum mit einem morschen vergleichen, wobei beide dem selben Sturm ausgesetzt sind. Der morsche wird abbrechen, wohingegen der andere sich biegt und danach wieder seine ursprüngliche Gestalt annimmt. Auf einem biologischen Spektrum befindet sich der Mensch meist irgendwo zwischen optimalem funktionellen Wohlsein und Tod. Krankheit ist hier die Abweichung von dem positiven Extrem und auf keinen Fall gleichzusetzen mit den oft negativen Einflüssen des äußeren Milieus.
Eine Virusinfektion beispielsweise ist in größerem Maße das Ergebnis von Störungen der Immunität als von pathogenen (krankmachenden) Eigenschaften des Virus selbst.
Das gesunde Individuum ist permanent bestrebt, das Gleichgewicht des inneren Milieus, das heißt seine „Homeostasis“ wiederherzustellen, nachdem diese durch externe Faktoren gestört wurde.
In der Praxis bedeutet es, dass im Falle der chiropraktischen Konsultation, das erste Anliegen des Chiropraktors darin besteht, festzustellen, ob und in welchem Maße der Patient/die Patientin sich in einem dynamischen Zustand befindet.
Als Spiegel dieser Dynamik dient die Spannung in der Wirbelsäule und der äußeren Hirnhaut (Dura). Um einen Einblick hierin zu bekommen, stehen dem Chiropraktor bestimmte Tests zur Verfügung, z.B. die Beurteilung der relativen Beinlänge oder des Tonus und der Qualiät der suboccipitalen (zwischen oberer Halswirbelsäule und Schädel gelegenenen) Muskulatur. Wenn die Entscheidung des Behandlers so ausgefallen ist, dass eine Justierung vorgenommen wird, um den Gesundheitszustand zu verbessern, bzw. wiederherzustellen, ist seine Arbeit jedoch nicht zu Ende.
Über die Behandlung hinaus wird der Patient in den Heilungsprozess mit eingebunden, indem er eine Beratung erhält, die ihm ermöglicht durch bestimmte Verhaltensweisen/Verhaltensänderungen und evtl. Durchführung von Übungen aktiv an der Verbesserung seiner Gesundheit mitzuwirken.
Haltungsschäden
Neben den Verletzungen (Traumata) sind Haltungsschäden die zweite große Gruppe von Faktoren, die die Wirbelsäule negativ beeinflussen und zu Subluxationen (Beeinträchtigung der Nervenfunktion durch Fehlstellung, Fehlverhalten oder erhöhte Spannung im axialen Skelett) führen. Eigentlich sind die Haltungsschäden Ausdruck des „zivilisierten“ Lebens. Vielleicht bräuchten wir keine Chiropraktoren, wenn wir, vorrausgesetzt wir wären unverletzt, stressfrei und wie wilde Tiere durchs Feld hoppelten.
Haltungsschäden sind das Ergebnis von willkürlichen und/oder unbewussten Fehlbelastungen und Fehlverhalten über einen Zeitraum, der von ein paar Tagen bis zu vielen Jahren reichen kann. Erkennbar sind Einflüsse aus dem Berufsleben, aus Freizeit und Sport, aber auch aus dem Bereich von psychisch bedingten Körpergewohnheiten. Beim Thema Haltungsschäden wird besonders deutlich, dass der Chiropraktor über die Untersuchung und Behandlung hinaus auch die Aufgabe hat, den Grund für diese besondere Art von Schäden zu erforschen und dem Patienten/der Patientin durch Beratung und Erarbeitung von entsprechenden Übungen zu helfen, negative Haltungsmuster zu korrigieren.
Der erfahrene Chiropraktor entwickelt dann mehr und mehr ein Auge für bestimmte typische Muster und kann z.B. erkennen, dass ein Musiker sein Instrument anders halten muss oder dass die Position des Bildschirms im Büro verändert werden soll. Es ist bei diesem Thema jedoch besonders wichtig, dass der/die Betroffene aktiv mitwirkt und somit hilft eine wirkliche Veränderung herbeizuführen.
TOPKopfschmerzen, Migräne, Schwindel (Vertigo), Ohrenklingen (Tinnitus)
Neben muskulären Verspannungen, etwa durch schlechte Haltung bei der Arbeit kommt der Wirbelsäule bei Kopfschmerzen und besonders bei Migräne eine zentrale Bedeutung zu. Hierbei haben der erste und zweite Halswirbel („Atlas“ und „Axis“) eine Schlüsselfunktion in der Biomechanik und Neurologie des Körpers. In der Medizin werden die Gelenke zwischen dem unteren Teil des Schädels („Occiput“), Atlas und Axis als die komplexeste Region der Wirbelsäule (axiales Skelett) angesehen. Es handelt sich hierbei um eine Schnittstelle zwischen dem Gehirn und dem Rückenmark.
Zum einen bekommt das zentrale Nervensystem (ZNS) von dieser Gegend proportional die meisten propriozeptiven Informationen (d.h. aus den Gelenken, Muskeln und Sehnen in diesem Bereich wird das ZNS über die Position und Bewegung des Körpers im Raum informiert) was z.B. dazu führt, daß ein aufrechtes Stehen überhaupt erst möglich wird. Zum Anderen besteht (anatomisch ausgedrückt) eine direkte Verbindung zum vestibulären System (Gleichgewichtszenrum) und eine direkte bindegewebliche Verbindung zwischen dieser Region und dem Rückenmark durch die Dura-und Pia Mater (Hirnhäute). Eine direkte Eingabe zum Thalamus (wichtiges Koordinationszentrum des Gehirns) gibt es von den Segmenten oberhalb C3, eine indirekte (mechanorezeptorische) Eingabe zum Thalamus gibt es vom ganzen Körper, wobei eine besonders große Zahl von Propriozeptoren (s.o.) im Bereich der oberen Halswirbelsäule (HWS) zu finden ist. In der Regulierung von Schmerzempfindung spielt besonders die Afferenz (neurologische Rückmeldung) von der Wirbelsäule in das Rückenmark (spezifisch: in das periaqueductale Grau des Rückenmarks) eine Rolle.
Neben der oberen HWS hat auch der Übergang zwischen HWS und Brustwirbelsäule (BWS) eine besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang. An dieser Stelle treten Nerven aus der Wirbelsäule, die den Durchmesser der Blutgefäße in den Kopf verändern können (durch Aktivierung von kleinen Muskeln in den Gefäßwänden). Gestörte Nervenimpulse sind so in der Lage, eine funktionelle Durchblutungsstörung zu den Organen innerhalb des Schädels zu provozieren. Neben anderen Sinnenorganen kann hierbei auch das Ohr betroffen werden und der Patient nimmt ein Klingen wahr. Siese Ohrgeräusche können natürlich auch andere Ursachen haben und der Chiropraktor veranlaßt, unter fachärztlicher Zuhilfnahme eine genaue Untersuchung dieses Problems bevor eine Indikation gestellt wird.
Seine Aufgabe ist es, Wenn erforderlich, die gestörten Nervenimpulse zu normalisieren, indem er durch vertebrale Justierung die „Subluxation“ (= neurologische Interferenz durch Ödeme (Schwellungen), Knochen, Muskeln sowie andere Bindegewebe) entfernt.
TOPLeistungsschwäche
Es gibt in jedem von uns eine „Intelligenz“, die Amerikaner nennen sie „innate intelligence“, die uns nicht nur am leben erhält sondern uns anregt, koordiniert, repariert, erneuert, bewegt und heilt.
Das Nervensystem ist der Haupt-Koordinator und Verteiler dieser natärlichen, inneren (angeborenen) „Intelligenz“. Eine Veränderung der Form, der Lage, der Kraft oder der Spannung des Nervengewebes (besonders des Rückenmarks) wird den Ausdruck jener „Intelligenz“ stören, verhindern oder umleiten.
Die Subluxationen der Wirbelsäule (= „vertebrale Subluxationen“) – also leichte Verschiebungen und Spannungen zwischen den Wirbelkörpern – sind Störfaktoren für die Funktion des Nervensystems und seiner Fähigkeit, die „innere Intelligenz“ zu senden, zu empfangen und zu koordinieren. Keine Koordination, keine Bewegung, keine Atmung kann sich voll aus ausdrücken und entfalten, wenn die Kraft und Intelligenz des Lebens gestört oder fehlgeleitet ist.
Das Ziel der chiropraktischen Justierung (so nennen wir die gezielte chiropraktische Behandlung insbes. der Wirbelsäule) ist es, die vertebrale Subluxation zu befreien, um die Ausdruckskraft dieser Lebenskraft zu erhöhen. Jeder von uns, unabhängig von seinen Symptomen und seiner Krankheit, kann davon profitieren ein Nervensystem zu bekommen, das flexibler und anpassungsfähiger ist – frei von vertebralen Subluxationen.
Die Symptome sind nicht unbedingt Zeichen von Krankheit sondern können auch auftreten, um den Menschen auf die Notwendigkeit einer Veränderung aufmerksam zu machen. Außerdem können die durch den Schmerz bedingten Funktionseinschränkungen dazu beitragen weiteren Schaden möglichst zu vermeiden.
Der bestimmte Ort eines Symptoms (z.B. Magen, Schulter, Rücken) ist nicht unbedingt gleich der Stelle wo sich eine bestimmte Subluxation befindet. Die Stärke der Symptome (z.B. Schmerzen) ist auch nicht unbedingt gleich des Ausmaßes der Subluxationen. Und das Erstaunlichste: Ein Mensch/Patient kann bei einem Behandlungstermin Symptome zeigen und dennoch keine Justierung (der Wirbelsäule) benötigen wohingegen ein anderer Patient, der z.B. keine Symptome zeigt, mehrere Justierungen während einer einzigen Behandlung benötigt.
Die „Innere Intelligenz“ von der wir sprechen, entfaltet durch das Nervensystem, ist die eigentliche heilende „Hand“. Die Heilung kommt von innen und ist geleitet von derselben Kraft, die unseren Körper aus dem Embryo entwickelt hat und uns permanent erneuert. Die Natur braucht keine Hilfe, nur KEINE STÖRUNGEN.
Die Leistungsfähigkeit des Menschen hängt also in großem Maße von dem Zustand und der Ausdrucksfähigkeit des Nervensystems ab. Der Pionier der Chiropraktik, B.J. Palmer, der eine Neigung zu bilderreicher Sprache hatte, beschrieb schon Anfang des letzten Jahrhunderts den Effekt einer Subluxation des ersten Halswirbels auf den Energiefluss im Menschen, indem er anschaulich von einem Gartenschlauch sprach, aus dem durch einen Knick der normale Wasserfluss stark vermindert austritt.
Selbst wenn einige Bereiche der Wirbelsäule einen größeren Einfluss auf allgemeine Leistungsschwäche haben als andere, ist es für den Chiropraktor jedoch wichtig, den Menschen im Ganzen zu untersuchen, um daraufhin in der Lage zu sein, verschiedene bestehende Subluxationen zu entfernen und das Leistungspotential wieder zu steigern.
TOPRückenprobleme, Wirbelsäulenschäden
Um optimal zu funkionieren, stehen die Wirbel in bestimmten Winkeln zueinander, was von der Seite gesehen zu Kurven führt, die eine gesunde Wirbelsäule aufweisen sollte. Im Lenden-und Halswirbelbereich nennt man diese „Lordose“ und erkennt dort eine nach hinten konkav ausgebildete Wölbung. Im Brustwirbel- und Kreuzbeinbereich ist diese Wölbung konkav nach vorne hin und wird „Kyphose“ genannt. Durch Fehlhaltungen, Frakturen, Wachstumstörungen, Fehlbildungen und Schonhaltungen verschwinden diese Kurven oder entwickeln sich sogar in die entgegengesetzte Richtung. Hierdurch kommt es zu falscher Gewichtsverteilung zwischen Bandscheibe und hinteren Wirbelgelenken, zu Muskelhartspann und zu Beeinträchtigung der austretenden Nervenwurzeln.
Neben den von der Seite erkennbaren Veränderungen der normalen Kurven der Wirbelsäule gibt es auch sogenannte „Skoliosen“, die von hinten gesehen als seitliche Wölbungen der Wirbelsäule auffallen. Neben ästhetischen Gesichtspunkten geben diese auch Anlaß zu Beeinträchtigung der Bewegung des Brustkorbs, des Schultergürtels und des Zwerchfells, was z.B. das Atemvolumen negativ beeinflussen kann. Außerdem werden auch hier die austretenden Nervenwurzeln behindert.
Der Chiropraktor greift bei seiner Arbeit an Schlüsselstellen der Wirbelsäule und des Beckens ein und veranlaßt den Körper, eine Korrektur der oben beschriebenen Kurven durchzuführen, soweit noch keine strukturellen Veränderungen entstanden sind (z.B. Wirbelkörperdeformation) oder die Verkrümmung ein zu großes Ausmaß erreicht hat. Diese Arbeit wird begleitet durch ausgewählte Übungen, die der Patient zu Hause durchführen kann, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.
TOPSchwangerschaft, Geburtsstörungen
- Schwangerschaft
Während dieser Zeit ereignet sich eine Vielzahl von Veränderungen sowohl im Körper der Mutter als auch in dem des Ungeborenen. Hormonell bedingt weitet sich das Becken indem die Iliosacralfugen etwas lockerer werden. Die daraus entstehende Instabilität macht sich auch durch erhöhte Muskelaktivität in der Lendengegend bemerkbar. Zusätzlich führt die veränderte Gewichtsbelastung der Lendenwirbelsäule zu einer Spannung in der Streckmuskulatur. Das Resultat kann eine Blockierung der intervertebralen Facettengelenke sein oder ein hyperaktiver Iliopsoas Muskel (Hüftbeuger), der direkte Ansätze an den Lendenwirbeln und Bandscheiben hat.
Schwangere können daher unter häufigen „Hexenschüssen“ leiden oder gar Schwierigkeiten haben zu gehen wenn die Beckengelenke nicht mehr normal funktionieren. Um die Schwangerschaft nicht unangenehm werden zu lassen und auch die Beckenbodenmuskulatur nicht übermäßig zu strapazieren ist es möglich, durch periodische genaue Untersuchung und sanfte Korrekturen am Becken („Justierung“) diese Probleme zu vermeiden.
Der Chiropraktor kann zum Beispiel das eigene Körpergewicht der Patientin in Rückenlage zu einer gezielten Justierung des Beckens nutzen ohne Anwendung einer anderen Kraft von außen, indem die Lagerung durch verschiedene Stützen beeinflusst wird. - Geburtsstörungen
Im Laufe der Evolution ist unser Schädel schneller gewachsen als das weibliche Becken, das heute grob die gleichen Ausmaße hat wie jenes der „Lucie“, die vor tausenden von Jahren in Afrika gelebt hat. Daraus und aus Lageanomalien(z.B. Steißlage) resultieren manchmal Probleme bei der Geburt. Durch das oft notwendigerweise gewaltsame Ziehen am Schädel des Neugeborenen (Zange, Saugglocke, manuelle Drehbewegungen) entstehen Subluxationen (kleine Verschiebungen) an den Gelenken zwischen Schädel und oberen Halswirbeln sowie an den Übergängen zwischen den einzelnen Schädelknochen.
Die äußere Hirnhaut („Dura“) ist an den Schädelknochen und den oberen Halswirbeln einerseits und am Kreuzbein (Teil des Beckens) andererseits befestigt. Die Verschiebungen im Schädel und an des oberen Wirbelgelenken führen zu einer Verwringung der Dura. Das hat zur Folge, dass die Entwicklung des Körpers asymmetrisch verläuft. Der Name hierfür ist „KISS-Syndrom“ (= Kopfgelenk Induzierte Symmetrie-Störung). Dies äußert sich in verschiedener Weise: Schräghaltung des Kopfes, Drehung des Kopfes nach einer Seite, Skoliose der Wirbelsäule, asymmetrischer Muskeltonus, Sehstörungen, Kiefergelenk-Fehlstellung, Nachziehen eines Beines beim Krabbeln u.s.w..
Es ist ersichtlich, dass eine frühe Korrektur durch sanfte chiropraktische Maßnahmen wichtig ist. In den Ländern, wo die Chiropraktik als eigenständiger Teil des Gesundheitssystems etabliert und bekannt ist, wird der Chiropraktor üblicherweise nach der Geburt zu Rate gezogen und untersucht die Neugeborenen gründlich in Hinsicht solcher Symmetriestörungen, um sie, wenn nötig, zeitig korrigieren zu können.
TOP
Sportverletzungen
Bei den Sportverletzungen kommen neben der Wirbelsäule auch den Extremitäten eine besondere Bedeutung zu.
Wenn man z.B. bedenkt, dass der Fuß 26 und die Hand 27 Knochen hat, wird klar, dass beispielsweise bei einer tarsalen Distorsionsverletzung, d.h. beim „Umtreten“ eines Fußes die Wahrscheinlichkeit groß ist,
dass sich das normale Gelenkspiel zwischen einigen dieser Knochen verändert. Der Bandapparat wird überdehnt und der Fuß schwillt an. Nach dieser akuten Phase kommt es später zum Abschwellen des Gewebes, der Fuß bleibt jedoch instabil und die Bänder können ihre normale Länge nicht wieder erreichen, wenn die
Knochen nicht so justiert werden, daß der Abstand zwischen zwei Bandansatzpunkten wieder auf sein normales Maß reduziert wird. Ein falscher Bewegungsablauf oder ein Absacken der Gewölbe des Fußes hat unweigerlich Folgen für die Strukturen darüber (z.B. Knie, Hüfte, Becken).
Beim Ellbogen, um ein anderes Beispiel zu nennen, führt eine Verschiebung des Radiusköpfchens (oberes Ende der Speiche) durch Sturz auf den Arm zu einer verminderten Drehfähigkeit des Unterarms, was eine Überbelastung der Schulter auf der selben Seite zur Folge hat. Ein weiterer Fall von gestörter Biomechanik kann am Beispiel eines Fußballers illustriert werden: eine kleine Verschiebung im Kniegelenk, wie sie etwa bei schnellen Drehbewegungen ensteht, führt zu einer verhärteten Hüftmuskulatur wodurch wiederum die LWS Stabilisatoren (kleine Muskeln um die Lendenwirbelkörper) gezwungen werden, z.B. bei Streckung der Hüfte für die fehlerhafte Hüftmuskulatur einzuspringen. Dies stört also am Ende die Integrität der lumbalen Intervertebralgelenke.
In den USA sind seit längerem Chiropraktoren ein Teil des olympischen Teams und wirken auch im Bereich des professionellen Footballs, Baseballs, Basketballs und Eishockeys aktiv mit. In diesem Bereich besteht der Schwerpunkt ihrer Arbeit im Justieren von Gelenken und Korrektur von falschen Bewegungsmustern mit dem Ziel der Normalisierung der Biomechanik.
TOPVorbeugung
Es ist auffällig, dass die meisten Menschen ihrer Gesundheit einen immer größeren Stellenwert zukommen lassen. Teilweise liegt das auch an gesteigerten Anforderungen z.B. der Arbeitswelt, denen man ohne einen optimalen Zustand des Körpers nur schwer gerecht werden kann. Ebenfalls wissen wir, dass die Symptome von Erkrankungen im Verhältnis zu dem eigentlichen Krankheitsgeschehen sehr spät einsetzen und nach einer erfolgreichen Behandlung relativ früh wieder verschwinden. Daraus ergeben sich im Bezug auf ein vorbeugendes Behandlungskonzept zwei Zielsetzungen:
- Vorbeugung von Krankheitsgeschehen
- Vorbeugung von Symptomen
Im allgemeinen geht man zum Arzt wenn es irgendwo „weh tut“. Die beste Möglichkeit, Symptome nicht erst entstehen zu lassen ist jedoch die Behandlung im asymptomatischen Bereich (vor dem Auftreten von Symptomen). Das setzt natürlich voraus, eine Methode zu haben, die von Mal zu Mal zeigt wie die jeweilige Behandlung aussehen muss, ohne dass der Patient hilfreiche Beschreibungen der Beschwerden liefern kann. Der geschulte Chiropraktor kann beginnende Fehlfunktionen erkennen, ohne dass der Patient erst Symptome erfahren hat. Hierfür werden bei der Untersuchung verschiedene Techniken verwendet wie Muskelprüfung, Erfühlen der Gelenkbewegungen und der Gewebebeschaffenheit, neurologische und orthopädische Tests, Gang- und Haltungsanalyse... etc..
Die Erfahrung zeigt außerdem, dass die Behandlung des Patienten im asymptomatischen Bereich im Laufe der Zeit dazu führt, dass die Frequenz des Auftretens von nicht traumatischem Krankheitsgeschehen abnimmt und sogar Traumata wie z.B. Sportverletzungen durch ein verbessertes Reflexverhalten gleichfalls weniger werden.
An dem Punkt, wo der Patient sich besser fühlt, kann er sich entscheiden zwischen zwei Behandlungsformen:
- „Reparaturbehandlung“
- „Gesundheitsbehandlung“
Bei der hier als „Reparaturbehandlung“ beschriebenen Form werden Behandlungstermine erst wieder gemacht wenn neue Beschwerden auftreten und die Reihe wird wieder unterbrochen bei Einsetzen der Besserung. Die „Gesundheitsbehandlung“ wird nach der Besserung fortgesetzt, wobei die Behandlungs-/Untersuchungstermine jedoch größere Abstände haben. Dieses Konzept hat nicht nur den Vorteil der Vorbeugung sondern führt den Patient/die Patientin auch im Laufe der Zeit zu einem Zustand von erhöhtem und vielleicht ihm/ihr unbekanntem Wohlsein. Über einen längeren Zeitraum betrachtet sind auch vergleichsweise weniger Behandlungstermine für diese Form der Gesundheitspflege notwendig.
Es geht nicht darum, völlig symptomfrei durchs Leben zu gehen, da der Körper uns durch kleinere Beschwerden mitteilt, dass etwas nicht stimmt, oder dass ihm zuviel zugemutet wurde.
Wenn z.B. nach falschem Heben eines Wasserkastens der Rücken zwickt, ist dies eigentlich positiv und als Signal zu verstehen. Durch die vorbeugende Wirkung der Behandlung reguliert der Körper sich dann oft von allein und es ist möglich, dass, statt immer größer werdender Rückenbeschwerden in einem solchen Fall am nächsten Tag nichts mehr zu spüren ist.
Abschließend kann man sagen, dass im Prinzip jede chiropraktische Behandlung korrekt ausgeführt eine vorbeugende Wirkung hat, eine regelmäßige Vorbeugeuntersuchung und ggf. Behandlung darüber hinaus jedoch bewirken, dass das Auftreten von Problemen verhindert werden kann und damit die Gesundheit erhalten bleibt.
TOPAndere Gründe
Da es nicht möglich ist alle Gründe für den Besuch beim Chiropraktor hier aufzuführen, die Anzahl ist auf Grund der Verschiedenheit der Menschen eigentlich auch unbegrenzt, werden wir abwechselnd unterschiedliche Themen und Krankheitsbilder, die im Zusammenhang mit vertebralen Subluxationen (= Beeinträchtigung der Nervenfunktion durch Fehlstellung, Fehlverhalten oder erhöhte Spannung im axialen Skelett, d.h. im Komplex Becken- Wirbelsäule- Schädel) stehen, in der Rubrik „Aktuelles“ kurz besprechen. Nachdem sie dort einmal erschienen sind, übertragen wir solche Ausführungen dann in diese Rubrik „Andere Gründe“, um dem Leser/der Leserin den Zugriff auf eine Themensammlung zu geben, die sich nach und nach vergrößert.
Über den Sinn einer Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäden und Chiropraktoren
Der biomechanische Zusammenhang zwischen Becken- und Kiefergelenken ist schon lange bekannt. Er ist erklärbar vor allem durch die Verknüpfung der beiden Strukturen über die Dura (äußere Hirnhaut). Es zeigt sich, dass eine Fehlfunktion in einem der beiden Bereiche mit großer Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf den anderen hat. In unserer Praxis arbeiten wir seit längerer Zeit mit Kieferorthopäden zusammen, um möglichst sicherzustellen, dass eine Bissbehandlung, bzw. eine Beckenjustierung nicht durch die Vernachlässigung eines dieser Körperbereiche unwirksam oder sogar schädlich für den Patienten wird. Konkret bedeutet dies, dass im Idealfall die Abdrucknahme für eine Bisskorrektur unmittelbar nach der Justierung der Wirbelsäule, des Schädels und insbesondere des Beckens erfolgt. Umgekehrt ist es möglich, dass eine Behandlung eben des letzteren erst Sinn macht, nachdem die Kiefergelenkfunktion normalisiert wurde.
Es ist die Aufgabe des in diesem Zusammenhang versierten Kieferorthopäden und Chiropraktors zu entscheiden, welcher dieser beiden Körpergegenden zuerst zu behandeln ist. Hierfür gibt es bestimmte Untersuchungsmethoden die zeigen, ob es sich um ein „aszendentes“ (das Becken ist primär betroffen und sollte zuerst behandelt werden) oder deszendentes Problem (am Kiefergelenk sollte die Behandlung beginnen) handelt.
Zum Wohlsein der betroffenen Patienten/innen, ist die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen den beiden spezialisierten Berufsgruppen notwendig. Unsere eigenen positiven Erfahrungen auf diesem Gebiet stimmen uns optimistisch im Bezug auf die Ausweitung und besonders auf einen größeren Bekanntheitsgrad einer solchen Verfahrensweise.
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